Fürchte Dich Nicht: Persönliches und Politisches aus mehr by Marie-Elisabeth Lüders

By Marie-Elisabeth Lüders

as hier zu berichten versucht wird, ist, was once die höchste Kraft mich tun oder W auch nur versuchen ließ. Auch wenn wir noch so sicher glauben, mit und in unserem Werk über die Stunde hinaus zu leben, ständig entgleitet unser Tun unseren Händen. Millionen Unbekannter haben mitgearbeitet an dem, was once wir scheinbar aus eigener Kraft geschaffen haben. Millionen gehen den gleichen Weg. - Die länge und Breite unseres Weges ist vorgezeichnet. Täglich legen wir mit unserem Tun ein Stück dieses Weges zurück, der ausgelöscht werden wird, wenn das »Ich« sich erfüllt hat und endlich in das große unergründliche Wunder wieder eingeht, aus dem es kam und niemals wiederkehrt. Erst wenn guy Rechenschaft ablegt, erkennt guy den Abstand zwischen der gestell­ ten Aufgabe und ihrer Erfüllung - in vielem eine wenig ruhmreiche Bilanz. Aber es soll trotzdem versucht werden. läßt sich aus nächtlichen Träumen lernen, ist die Erinnerung untrüglich? - Zwei Träume sind mir nicht nur in der Erinnerung geblieben, sondern kehren auch heute noch immer wieder. Der eine endet mit Schrecken, weil ich eine Stufe verfehlte und die Treppe hinunterstürzte. Der andere Traum ist um so schöner. Ich machte ein paar kräftige Schwimmbewegungen, mit denen ich mich vom Boden löste und bis unter die Decke zwischen brennenden leuchtern hinschwebte. Es struggle - nein, es ist auch heute noch - ein herrliches Gefühl, die ewigen Zweifel der anderen zu besie­ gen, die mit Sicherheit das Mißlingen des Fluges und den Absturz prophezeiten.

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Sie produzierte sich lieber mit einem Soldatenlied, meistens noch grundfalsch. Singend ging sie durch das Haus, den schönen ledernen Schlüsselkorb am Arm: »Europa hat Frieden - Europa hat Ruh' Und wenn Europa Frieden hat, Dann hat Europa Ruh' -« Eines Tages sah der Vater unter der Lektüre seiner jungen Tochter auch die weitverbreitete »Vossische Zeitung«. Er fragte, was denn darin für mich so interessant sei und was man daraus lernen könne. « Aus der unklaren Formulierung ersah der Vater sofort, daß seine sonst oft unbändige Tochter, die immer wieder Johanna Spyri und »Roland und Elisabeth« las, die von Dore illustrierten Märchen, zum Teil so grauslich wie der Blaubart, und die Schnorrsche Bilderbibel, die mit Papierpuppen spielte, Puppenkleider nähte, auf dem freien Nachbargrundstück mit den Brüdern und deren Freunden eine große Festung baute und Nester für die Vögel zum Nisten -, daß diese Tochter offenbar regelmäßig auch noch politische Berichte las.

Die vornehmlich um Schillers Wohl besorgte Lotte, die Schiller nach seinem eigenen Frauenideal formen konnte und die ihre Bestimmung in einer Art Käthchenrolle sah, lag Selma von Lengefeld nicht. Die jeder geistigen Enge abholde Karoline entsprach ihren eigenen Bestrebungen und denen ihrer gleichgesinnten Mitarbeiterinnen : Fräulein von Schorn, den drei Helldorfs, Fräulein von Milde, einer Tochter der ersten berühmten Wagner-Sängerin, und anderen mehr. Dr. von Lengefeld verschaffte mir die Vereinssatzungen und Tagungsberichte wie auch die zahllosen Aufsätze in der »Frau«, in denen die damals führenden Frauen Helene Lange, Marie Stritt, Gertrud Bäumer, Elisabeth Gottheiner, Marianne Weber, Elisabeth von Richthofen, Agnes Bluhm, Marie Baum, Frieda Duensing, Anna Pappritz, Alice Salomon, eine Namensschwester von mir, Else Lüders, Minna Cauer, Anita Augspurg, Maria Lischnewska u.

In der Photographischen Lehranstalt des Ehepaars Lützen in der Passauer Straße ließ ich mich weiter ausbilden und arbeitete dort zwei Jahre als Gehilfin. In der »Wirtschaftlichen Frauenschule auf dem Lande« Niederofleiden bei Homberg a. d. « war Anlaß, daß ich mit 19 Jahren Schülerin der ersten Frauenschule auf dem Lande in Niederofleiden wurde. Die Initiatorin dieser Schule, Ida von Kortzfleisch, ließ sie verbreiten; die Lektüre weckte mein Interesse, und meine Mutter war ganz froh, mich erst einmal loszuwerden.

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